Stimmung im Minus, trotzdem Chancen im Markt?
Die Stimmung am Immobilienmarkt bleibt im Februar gedämpft. Experten sehen in der aktuellen Phase der Stabilisierung jedoch neue Chancen für Investitionen und Bestandsentwicklung.
Das zeigt der jüngste Deutsche Hypo Sentimentindex für Februar 2026. Das Immobilienklima sinkt zum dritten Mal in Folge auf 90,6 Punkte. Sowohl Investmentklima als auch Ertragsklima geben nach.
Mit Ausnahme des Bürosegments verzeichnen alle Assetklassen Rückgänge, besonders deutlich im Handel. Logistik fällt unter die Marke von 100 Punkten, während Wohnen trotz leichter Verluste Spitzenreiter bleibt.
Hintergrund sind geopolitische Unsicherheiten, regulatorische Anforderungen und hoher Transformationsdruck. Gleichzeitig sorgt ein stabiles Zinsumfeld für mehr Planungssicherheit.
ESG-konforme und energieeffiziente Bestände gewinnen an Bedeutung, da sie Vermietbarkeit, Wertstabilität und Finanzierbarkeit stärken und im aktuellen Marktumfeld strategische Chancen eröffnen.
Elektroverband: Heizungsgesetz muss bleiben
Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) erhöht beim Heizungsgesetz den Druck auf die Regierung und rät dazu, das Gesetz in seiner jetzigen Form zu belassen.
Sonst drohe neue Unsicherheit und damit auch Zurückhaltung bei Investitionen in Heiztechnik und Sanierungen im Immobilienmarkt, so der Verband.
Der ZVEI drängt die Bundesregierung vor allem, die 65-Prozent-Vorgabe im Gebäudeenergiegesetz weitgehend zu behalten.
Verbandschefin Kerstin Stratmann sagt, die Zahlen, Gutachten und Marktentwicklungen zeigten, dass die Vorgabe bei Verbrauchern angekommen sei.
Der Verband verweist auf eine Studie, die ein grundsätzlich hohes Interesse an Wärmepumpen und ähnlichen Technologien sieht, fordert dafür aber verlässliche Förderung.
Hintergrund ist der Koalitionsstreit, denn SPD und Union sind sich bei der 65 Prozent Regel uneinig und eine Überarbeitung des Heizungsgesetzes lässt weiter auf sich warten.
Eigenkapital: Ohne Erbe kein Wohneigentum
Der Traum vom Eigenheim scheitert immer häufiger nicht am Einkommen, sondern am fehlenden Eigenkapital, denn Käufer müssen heute deutlich mehr Ersparnisse mitbringen als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Eine Studie von Hüttig & Rompf zeigt, dass die Eigenkapitalquote seit der Zinswende deutlich gestiegen ist, während sich die monatliche Belastung spürbar erhöht hat.
Die Eigenkapitalquote von Selbstnutzern erhöhte sich von etwa 20 Prozent in den Jahren 2020 und 2021 auf rund 27 Prozent im Jahr 2025. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Kiel Institut.
Demnach benötigen Haushalte heute mehr als drei Jahresgehälter als Eigenkapital und müssen bei einer Sparquote von 20 Prozent rund 14 Jahre dafür zurücklegen.
In den 1980er-Jahren reichte im Schnitt das 1,7-Fache eines Jahresgehalts. Haupttreiber sind hohe Kaufpreise und gestiegene Kaufnebenkosten wie die Grunderwerbsteuer.
Experten fordern daher Reformen, um die Einstiegshürden zu senken.
Gewerbliche Wohninvestments steigen deutlich
Der Markt für Wohn- und Geschäftshäuser legt wieder spürbar zu. Steigende Transaktionszahlen, stabile Renditen und moderat wachsende Preise machen Zinshäuser für viele Investoren erneut attraktiv.
Das zeigt eine von WARELOG durchgeführte Research Recherche. 2025 wurden bundesweit rund 38.000 Transaktionen registriert, rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Das Umsatzvolumen liegt bei 35 bis 38 Milliarden Euro, fast ein Drittel entfällt auf die sieben A-Städte. Bestandsobjekte kosten im Schnitt knapp 2.000 Euro pro Quadratmeter.
Die Mietrenditen liegen bundesweit bei 5,4 Prozent, in den A Städten bei 4,1 Prozent.
Vor allem private Anleger nutzen das aktuelle Marktumfeld für Zukäufe, während institutionelle Investoren noch zurückhaltend sind.
Deutschland verliert deutlich Einwohner
Die deutsche Bevölkerung wird bis 2070 deutlich stärker schrumpfen als bisher prognostiziert, was vor allem strukturschwache Regionen treffen dürfte und langfristige Folgen für Wohnungsmarkt und Standortplanung erwarten lässt.
Nach einer Analyse des Dresdner ifo-Instituts auf Basis neuer Daten des Statistischen Bundesamts werden in 40 Jahren voraussichtlich rund zehn Prozent weniger Menschen in Deutschland leben als heute.
Bislang war lediglich ein Rückgang von etwa einem Prozent erwartet worden.
Besonders stark betroffen sind ostdeutsche Flächenländer, während Stadtstaaten bis 2070 sogar mit Wachstum rechnen können.
Die Studie zeigt damit deutliche regionale Unterschiede und verweist auf wachsende Herausforderungen für Kommunen und Infrastrukturplanung.
Inflationsrate steigt wieder
Die Inflation in Deutschland ist leicht auf 2,1 Prozent gestiegen, vor allem wegen teurerer Lebensmittel und höherer Spritpreise. Energiepreise wirkten dagegen weiter bremsend.
Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das ein gemischtes Signal.
Sinkende Energiepreise entlasten Haushalte und können die Nebenkosten stabilisieren, zugleich erhöhen steigende Löhne und Dienstleistungspreise den Kostendruck bei Bau, Sanierung und Verwaltung.
Bleibt die Teuerung um die Zwei-Prozent-Marke, dürften die Geldpolitik stabil und bessere Konditionen für Immobilienfinanzierung unwahrscheinlich bleiben.
Heizungstausch: Fast jeder Zweite will auf Wärmepumpe umsteigen
Trotz politischer Debatten zeichnet sich bei Eigentümern ein klarer Trend ab. Laut einer neuen Umfrage setzen fast 50 Prozent beim nächsten Heizungstausch auf die Wärmepumpe. Die Präferenz reicht über Parteigrenzen hinweg.
Während die Bundesregierung eine grundlegende Reform des Gebäudeenergiegesetzes vorbereitet, haben viele Hausbesitzer ihre Entscheidung offenbar bereits getroffen.
Laut einer Befragung von 1000 Eigentümern im Auftrag des Installationsdienstleisters Thermondo würden sich 46,5 Prozent beim nächsten Heizungstausch für eine Wärmepumpe entscheiden.
Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Hybride Systeme kommen auf 18 Prozent, neue Gasheizungen nur noch auf 14,5 Prozent. Öl, Fernwärme und Pelletheizungen erreichen jeweils einstellige Werte.
Bemerkenswert ist die parteiübergreifende Zustimmung: Selbst unter CDU-Anhängern bevorzugen 51 Prozent die Wärmepumpe, während es unter AfD-Wählern immerhin 35 Prozent sind.
Für Installationsbetriebe, Projektentwickler und Bestandshalter deutet sich damit eine stabile Nachfrage an, unabhängig vom weiteren politischen Kurs.
Letzter der EU: Deutschland einig Mieterland
In keinem EU-Land leben weniger Menschen im eigenen Zuhause als in Deutschland. Historische Weichenstellungen, hohe Erwerbskosten und gestiegene Zinsen prägen den Markt.
Besonders für junge Haushalte rückt Eigentum in weite Ferne.
Wie Eurostat berichtet, liegt die Wohneigentumsquote in Deutschland mit 47 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt.
Während in Osteuropa nach der Privatisierung staatlicher Wohnungen Quoten von über 90 Prozent erreicht werden, dominiert hierzulande traditionell das Mietmodell.
Laut Statistischem Bundesamt wurde der Mietwohnungsbau nach dem Zweiten Weltkrieg stark gefördert, der Mieterschutz ist bis heute ausgeprägt.
Zusätzlich erschweren hohe Kaufnebenkosten von zehn bis zwölf Prozent des Kaufpreises sowie gestiegene Bauzinsen seit 2022 den Erwerb, so das Institut der Deutschen Wirtschaft.
Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt zudem, dass Erbschaften und familiäre Unterstützung entscheidend für Eigentumsbildung sind und soziale Unterschiede weiter zunehmen.
Krise bei erneuerbaren Energien spitzt sich zu
Die Branche der erneuerbaren Energien steht unter massivem Druck. Wind- und Solarprojekte verlieren an Wirtschaftlichkeit, Finanzierungen werden schwieriger.
Insider warnen bereits vor einem deutlichen Einbruch beim weiteren Ausbau.
Steigende Zinsen, höhere Anlagenkosten und sinkende Strompreise belasten Entwickler von Wind- und Solarparks erheblich.
Nach einem Bericht des Handelsblatts rechnen sich große Photovoltaikprojekte kaum noch, da die Stromgestehungskosten über den erzielbaren Vergütungen liegen.
Banken reduzieren die Fremdkapitalquoten, Investoren agieren zurückhaltend. Einzelne Projektierer melden hohe Verluste oder befinden sich in Restrukturierungen, während größere Marktteilnehmer selektiv Projekte verkaufen oder zukaufen.
Zusätzliche Unsicherheit schafft ein Referentenentwurf zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes. Künftig soll für neue Anlagen keine Entschädigung mehr gezahlt werden, wenn sie wegen Netzengpässen abgeregelt werden.
Branchenvertreter warnen vor einem massiven Rückgang beim Ausbau der erneuerbaren Energien.
Solarpflicht trifft immer mehr Immobilieneigentümer
Immer mehr Bundesländer verpflichten Eigentümer bei Dachsanierungen zur Installation von Solaranlagen.
In Baden-Württemberg, Niedersachsen, Berlin, Hamburg und Bremen bereits seit 2023. Nun müssen auch Eigentümer in Nordrhein-Westfalen die Vorgabe für Bestandsgebäude umsetzen. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder.
Mit der Ausweitung der Solarpflicht in Nordrhein-Westfalen müssen seit diesem Jahr auch Eigentümer bestehender Gebäude bei einer vollständigen Neueindeckung des Dachs eine Photovoltaik oder Solarthermieanlage installieren.
Mindestens 30 Prozent der geeigneten Dachfläche sind zu belegen. Bei Missachtung drohen laut Haus & Grund Bußgelder von 5.000 Euro bei Ein- und Zweifamilienhäusern sowie bis zu 25.000 Euro bei Mehrfamilienhäusern.
Ziel ist es, den Photovoltaikausbau bis 2030 deutlich zu steigern. Förderprogramme der Länder sowie zinsgünstige Kredite der KfW sollen Investitionen erleichtern.
Wärmepumpen-Förderung: Deutschlands Irrweg
Wärmepumpen kosten hierzulande oft deutlich mehr als im europäischen Ausland. Neben hohen Installationskosten spielt vor allem das Fördersystem eine Rolle als Preistreiber.
Die Gesamtkosten für Luft-Wasser-Wärmepumpen liegen hierzulande häufig deutlich über denen in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien.
Ein Grund ist die prozentuale staatliche Förderung von bis zu 70 Prozent der Investitionskosten, die Anbieter in ihre Kalkulation einpreisen.
Hinzu kommt der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, während andere Länder reduzierte oder gar keine Umsatzsteuer erheben.
Hohe Installationskosten, insbesondere für Elektroarbeiten, schlagen zusätzlich zu Buche.
Laut Auswertung der Verbraucherzentrale variieren allein die Montagekosten stark. Strenge technische Vorgaben, aufwendige Elektroinstallationen und höhere Qualitätsanforderungen verteuern die Anlagen weiter.
Ein Kauf im Ausland ist wegen Normen, Haftungsfragen und Fördervorgaben meist trotzdem keine praktikable Alternative.
EZB-Chefin weist Rücktrittsgerüchte zurück
Spekulationen über einen vorzeitigen Rückzug der EZB-Präsidentin sorgten für Unruhe. Christine Lagarde stellt nun klar, dass sie bis 2027 im Amt bleiben will.
Bei einer Anhörung im Europäischen Parlament bekräftigte Christine Lagarde, ihre Amtszeit als Präsidentin der Europäischen Zentralbank regulär bis Ende Oktober 2027 auszuüben.
Zuvor hatten Medien über einen möglichen vorzeitigen Rücktritt berichtet. Lagarde verwies auf zentrale Aufgaben wie die Sicherung von Preisstabilität und Finanzstabilität sowie die Einführung des digitalen Euro.

