Marktüberblick: Autozulieferer setzt auf neues Geschäftsfeld, Immobilienfinanzierungen steigen deutlich, Cloud & KI in der Immobilienbranche, EZB verzichtet auf Zinssenkung, hohe Gewinne für Gasnetzbetreiber

Die wichtigsten News vom Immobilienmarkt aus dem Monat September für Sie gebündelt zusammengefasst!

Deutshland-Karte mit Lupe

Immobilienfinanzierungen steigen deutlich, Wohnimmobilien treiben Wachstum

Der Markt für Immobilienfinanzierungen zieht wieder spürbar an: Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnen Banken kräftige Zuwächse, vor allem bei Wohnimmobilien.
Das zeigt ein wachsendes Vertrauen in den deutschen Markt. Nach Angaben des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) legte das Neugeschäft insgesamt um 17 Prozent auf 70,1 Milliarden Euro zu.
Besonders dynamisch entwickelten sich Finanzierungen für Mehrfamilienhäuser mit plus 30,3 Prozent, aber auch Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen legten deutlich zu.
Gewerbeimmobilien wuchsen moderater um 8,6 Prozent mit Schwerpunkten bei Industriegebäuden und Hotels. Der Gesamtbestand an Immobiliendarlehen stieg leicht auf über eine Billion Euro.
Trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten erwartet der vdp eine Fortsetzung des Trends, getrieben durch hohe Wohnraumnachfrage und zunehmende Anpassung an das neue Zinsumfeld.
 

Autozulieferer setzt auf Modulhaus als neues Geschäftsfeld

Ein sächsischer Autozulieferer wagt den Schritt in ein völlig neues Geschäftsfeld. Statt nur Teile für Luxusautos zu fertigen, entstehen nun auch Bauteile für ein Modulhaus.
Das Beispiel zeigt, wie die Branche in der Krise umdenkt. Testa Motari aus dem Erzgebirge, Zulieferer von Rolls Royce, hat eine alte Schule in eine Manufaktur für sein Modulhaus Johanna verwandelt.
Das Konzept bietet 50 Quadratmeter Grundfläche, die sich durch eine flexible Außenhülle erweitern lassen.
Mit einem Preis von rund 250.000 Euro soll das Haus schnell und effizient errichtet werden.
Branchenexperten sehen im Projekt ein Signal, dass viele Zulieferer angesichts einbrechender Autoproduktion neue Märkte suchen, auch wenn der Einstieg in andere Industrien schwierig ist und kreative Lösungen erfordert.
 

Photovoltaikpflicht auf Gewerbedächern: Chancen und Hürden für Eigentümer

Photovoltaik auf Gewerbedächern wird in vielen Bundesländern vorgeschrieben. Wer früh plant, kann Kosten sparen, neue Einnahmen erzielen und seine Immobilie aufwerten – muss aber technische, rechtliche und steuerliche Hürden im Blick behalten.
Ende 2024 waren bereits rund 29 Gigawattpeak installiert, ein Drittel der gesamten Solarleistung in Deutschland.
Große Dächer von Hallen und Büros eignen sich besonders gut, weil sie ohne zusätzliche Flächenversiegelung genutzt werden können.
Gleichzeitig unterscheiden sich die Anforderungen zwischen Neubau und Bestand deutlich: Tragfähigkeit, Netzkapazitäten und bauliche Nachrüstungen sind zu prüfen.
Hinzu kommen steuerliche Fragen und die Wahl des passenden Geschäftsmodells, von Eigenverbrauch über Einspeisung bis hin zu Contracting oder Dachpacht.
Förderprogramme können die Umsetzung erleichtern. Wer rechtzeitig handelt, verwandelt die Pflicht in eine stabile Renditequelle.
 

Bauzinsen im Europa-Vergleich: Warum ist Deutschland so teuer?

Wer in Deutschland eine Immobilie finanziert, zahlt im Schnitt deutlich höhere Zinsen als viele Nachbarn in Europa.
Trotz bester Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik rangiert Deutschland im europäischen Zinsvergleich lediglich auf Platz 9 von 17 Ländern.
Das liegt auch an einer hierzulande üblichen Gestaltung von Immobilienfinanzierungen.
Laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox betrugen die durchschnittlichen Bauzinsen in Deutschland im ersten Quartal 2025 rund 3,57 Prozent – höher als in Spanien, Belgien, Frankreich oder Italien.
Dabei haben Länder mit schlechterem Kreditrating teils günstigere Konditionen. Gründe sind Unterschiede bei Eigenkapitalquoten, Tilgungsmodellen und langen Laufzeiten.
Ein entscheidender Faktor ist jedoch das deutsche Sonderrecht, das eine vorzeitige Kündigung nach 10 Jahren erlaubt. Banken gleichen dieses Risiko mit höheren Zinsen aus.
Während Westeuropa günstiger abschneidet, müssen Käufer in Osteuropa mit teils mehr als 7 Prozent Zinsen rechnen.
 

Cloud und KI: Digitalisierung der Immobilienbranche schreitet voran

Künstliche Intelligenz, Cloud-Lösungen und Big Data – die Immobilienbranche treibt ihre digitale Transformation voran.
Laut der Digitalisierungsstudie 2025 des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) und EY Real Estate gilt KI als Schlüsseltechnologie mit kurzfristigem Umsetzungspotenzial.
Doch trotz Fortschritten bleiben Datenqualität, Kosten und Fachkräftemangel große Hürden.
Die Studie zeigt: 90 Prozent der Unternehmen sehen KI als wichtigste Zukunftstechnologie, 82 Prozent nutzen bereits Cloud-Lösungen. Investitionen in die Digitalisierung bleiben stabil, auch wenn der Anteil großer Budgets sinkt. 
Robotics und Blockchain werden weiterhin eher langfristig erwartet, während Plattformen, IoT, digitale Zwillinge und BIM schon bald breite Anwendung finden sollen.
Größte Hindernisse für den Fortschritt sind fehlendes Personal, mangelhafte Datenqualität und hohe Kosten.
Das Fokusthema 2025 – Data Lifecycle Management – soll helfen, Daten über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie hinweg strukturiert zu erfassen und nutzbar zu machen.
 

Kohle-Comeback: Ausbauziele für Erneuerbare in Gefahr

Deutschlands Energiewende gerät ins Stocken: Während Kohle und Gas im ersten Halbjahr 2025 wieder stärker genutzt wurden, brach die Stromproduktion aus Windkraft ein.
Die Folge: Fossile Energien legten zu, der Anteil Erneuerbarer sank. Damit rückt das 80-Prozent-Ziel bis 2030 in weitere Ferne.
Laut Statistischem Bundesamt stieg der Anteil fossiler Energieträger an der Stromproduktion auf 42,2 Prozent, ein Plus von 3,8 Punkten gegenüber dem Vorjahr.
Vor allem Kohle (22,7 Prozent) und Gas (16,2 Prozent) legten zu, während die erneuerbaren Energien auf 57,8 Prozent zurückgingen.
Hauptgrund war ein massiver Rückgang der Windstromproduktion um 18,1 Prozent, ausgelöst durch schwache Windverhältnisse. Photovoltaik wuchs dagegen deutlich um 27,9 Prozent auf 17,8 Prozent Anteil.
 

EZB verzichtet auf Zinssenkung

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt ihren Leitzins bei 2,0 Prozent und setzt damit die derzeitige Zinspolitik fort.
Grund sind eine leichte Überschreitung des Inflationsziels von zwei Prozent sowie Unsicherheiten durch US-Zölle und das deutsche Wachstumspaket.
Während die Teuerung nach dem Hoch von über zehn Prozent im Jahr 2022 inzwischen weitgehend eingedämmt ist, will sich die Notenbank nicht auf einen künftigen Zinspfad festlegen.
Am Finanzmarkt rechnen Experten damit, dass es in diesem Jahr keine Änderungen mehr geben wird; für Mitte 2026 liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bei etwa 50 Prozent.
Neue Sorgen bereitet Frankreich: Die Renditen für Staatsanleihen sind deutlich gestiegen, die Schuldenquote liegt bei 114 Prozent der Wirtschaftsleistung. Beobachter spekulieren, ob die EZB im Ernstfall mit Anleihenkäufen eingreifen müsste.
 

Hohe Gewinne für Gasnetzbetreiber – Verbraucher zahlen die Zeche

Regionale Gasnetzbetreiber erzielen Traumrenditen von teils 50 Prozent. 
Möglich macht das ihre Monopolstellung, während Verbraucher durch steigende Netzentgelte stärker belastet werden. Experten fordern nun eine schärfere Regulierung.
Laut einer Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) erzielten 19 große Gasnetzbetreiber 2023 Eigenkapitalrenditen von durchschnittlich 22 Prozent, bei einigen Firmen sogar bis zu 50 Prozent.
Die Gewinne entstehen über Netzentgelte, die Verbraucher über ihre Gasrechnungen tragen müssen. 2025 sind diese Entgelte im Schnitt um 22 Prozent gestiegen, was einen Mehrbetrag von rund 80 Euro pro Jahr für einen Einfamilienhaushalt bedeutet.
Obwohl die Bundesnetzagentur einen Richtwert von etwa 5 Prozent vorgibt, liegen die tatsächlichen Renditen seit Jahren deutlich darüber.
Neben der Monopolstellung der Betreiber tragen staatliche Fehlanreize und umgelegte Gewerbesteuern zu den Übergewinnen bei. Der BNE fordert deshalb eine strengere Regulierung, um Verbraucher zu entlasten und fossile Netze nicht künstlich attraktiv zu halten.