Marktüberblick: Kreditvergabe immer restriktiver, Förderung für Heizungstausch soll sinken, Anstieg bei Zwangsversteigerungen, Bauzinsen steigen über 4%, Hotelinvestoren werden bei Standortwahl wählerischer!

Die wichtigsten News vom Immobilienmarkt aus dem Monat Juli für Sie gebündelt zusammengefasst!

Deutshland-Karte mit Lupe

Immobilienkredite: Banken werden restriktiver

Die Finanzierung von Immobilien wird schwieriger. Eine neue Umfrage zeigt, dass viele Banken bei Krediten vorsichtiger sind. Wohnimmobilien bilden dabei eine Ausnahme.
Das aktuelle Quartalsbarometer von BF-Direkt und dem Handelsblatt Research Institute zeigt eine deutlich schlechtere Stimmung bei der Immobilienfinanzierung.
Grundlage ist eine Umfrage unter 38 Banken und anderen Kreditgebern für professionelle Immobilieninvestoren. Die Bereitschaft, neue Kredite zu vergeben, ist im Vergleich zum Vorquartal deutlich gesunken.
Fast 70 Prozent der Befragten erwarten außerdem, dass die Zinsen bis zum Jahresende weiter steigen. Weiterhin die besten Chancen auf eine Finanzierung haben Wohnimmobilien.
Vor allem für Bestandsobjekte werden nach Angaben der Befragten noch häufig Kredite vergeben. Käufe großer Immobilienportfolios bleiben dagegen selten.
 

Wohninvestoren setzen wieder auf Bestandsimmobilien

Der Markt für Wohninvestments kommt langsam wieder in Bewegung. Institutionelle Investoren setzen vor allem auf Bestandsimmobilien mit stabilen Mieterträgen und blicken vorsichtig optimistisch auf die zweite Jahreshälfte.
Der deutsche Wohninvestmentmarkt zeigt erste Anzeichen einer Erholung.
Zwar lag das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2026 noch leicht unter dem Vorjahresniveau, die Zahl der Abschlüsse und die Aktivität nahmen zuletzt jedoch zu.
Besonders gefragt sind Bestandsobjekte mit verlässlichen Mieterträgen sowie geförderter und bezahlbarer Wohnraum. Große Portfolioverkäufe bleiben selten, stattdessen dominieren mittelgroße Einzeltransaktionen.
Für die zweite Jahreshälfte rechnen die Marktbeobachter mit einer weiteren Belebung. Rückenwind könnten unter anderem politische Maßnahmen für den Wohnungsbau sowie eine wachsende Pipeline laufender Transaktionen bringen.
 

Förderung für Heizungstausch soll deutlich sinken

Die Bundesregierung will die Förderung für klimafreundliche Heizungen neu ausrichten und dabei Milliarden einsparen. Für viele Eigentümer sollen die Zuschüsse sinken, während Haushalte mit niedrigen Einkommen zunächst stärker profitieren.
Nach einer Vorlage für den Haushaltsausschuss des Bundestags plant die Bundesregierung, die Förderung für Wärmepumpen und andere klimafreundliche Heizungen bis 2030 deutlich zu reduzieren.
Ziel ist es, rund 2,1 Milliarden Euro einzusparen und die Zuschüsse stärker an sozialen Kriterien auszurichten. Für Haushalte mit einem Jahreseinkommen über 30.000 Euro sollen die maximalen Förderbeträge schrittweise sinken.
Bei höheren Einkommen ab 40.000 Euro fallen die Kürzungen noch deutlicher aus. Haushalte mit einem Jahreseinkommen unter 30.000 Euro sollen zunächst höhere Zuschüsse erhalten.
Zusätzlich ist ein Kinderbonus geplant, der die Einkommensgrenze für die höchste Förderung bei Familien anhebt. Über die Pläne soll der Haushaltsausschuss des Bundestags beraten.
 

Wohngeld: Jeder dritte Haushalt verliert Anspruch

Die Bundesregierung will das Wohngeld ab 2027 deutlich einschränken und Milliarden einsparen. Viele Haushalte sollen ihren Anspruch verlieren oder künftig geringere Zuschüsse erhalten.
Das Bundeskabinett hat eine Reform des Wohngelds beschlossen, die den Kreis der Anspruchsberechtigten verkleinern und die Leistungen reduzieren soll.
Nach Angaben des Bundesbauministeriums wird rund ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte künftig keinen Anspruch mehr haben.
Zudem soll die Heizkostenkomponente halbiert und die regelmäßige Anpassung des Wohngelds an Inflation und Mietentwicklung ausgesetzt werden. Haushalte mit sehr niedrigen Einkommen sollen stattdessen Leistungen der Grundsicherung erhalten.
Mit der Reform will die Bundesregierung ab 2027 jährlich bis zu zwei Milliarden Euro einsparen. Das Gesetz muss noch vom Bundestag beschlossen werden und soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Kritiker warnen vor einer höheren finanziellen Belastung einkommensschwacher Haushalte und steigenden Kosten in der Grundsicherung.
 

Anstieg bei Zwangsversteigerungen

Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien in Deutschland verzeichnet einen beschleunigten Zuwachs. Im ersten Halbjahr kamen mehr Immobilien mit einem höheren Wert unter den Hammer als in den Jahren zuvor.
In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 wurden in Deutschland 7.845 Immobilien mit einem Gesamtwert von 2,59 Milliarden Euro für eine Zwangsversteigerung aufgerufen.
Dies entspricht einem Anstieg von 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zuvor hatten Stundungsverfahren sowie freihändige Verkäufe durch Eigentümer in finanziellen Engpässen einen stärkeren Zuwachs verhindert.
Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, prognostizieren die Analysten für das Gesamtjahr rund 15.000 Verfahren.
Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede: Während in Thüringen rechnerisch 33 Termine pro 100.000 Haushalte verzeichnet wurden, waren es in Bayern lediglich 14.
Den Großteil der betroffenen Objekte machen mit etwa 70 Prozent Wohnimmobilien aus.
 

Energie- und Materialkosten sorgen für Baupreis-Explosion

Die Preise für den Neubau konventioneller Wohngebäude in Deutschland ziehen wieder deutlich schneller an. Höhere Aufwendungen für Baumaterialien und Energie belasten Bauherren in allen Bereichen des Baugeschehens.
Im Mai verzeichnete der Neubau einen Preisanstieg von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit beschleunigt sich die Dynamik gegenüber dem Februar, in dem das Plus noch bei 3,3 Prozent lag.
Treiber der Entwicklung sind gestiegene Material- und Energiekosten infolge internationaler Konflikte, die von Baufirmen weitergegeben werden.
Besonders Roharbeiten verteuerten sich um fast 5 Prozent, während die Preise bei Dachdeckungs- und Zimmerarbeiten um jeweils 7,3 Prozent zulegten. Auch Ausbauarbeiten wie der Einbau von Heizanlagen wurden um 5,1 Prozent kostspieliger.
Das Bundesbauministerium plant zur Gegensteuerung vereinfachte Standards über den neuen Gebäudetyp E.
 

Wohnungspreise im Süden steigen vor allem in günstigeren Regionen

Die Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen in Bayern und Baden-Württemberg verlagert sich. Während in teuren Metropolen wie München und Stuttgart kaum noch Bewegung herrscht, verzeichnen günstigere Mittelstädte und ländliche Regionen teils zweistellige Zuwächse.
Laut einer Analyse von immowelt sind Bestandswohnungen in 126 von 140 untersuchten Regionen Bayerns und Baden-Württembergs teurer geworden, verglichen wurden die Angebotspreise zum 1. Juli 2025 und 1. Juli 2026.
München bleibt mit 8.078 Euro pro Quadratmeter teuerste Stadt, das Plus fiel dort mit 0,5 Prozent aber gering aus. In Stuttgart sanken die Preise sogar leicht.
Deutlich dynamischer entwickelten sich günstigere Städte: Hof verzeichnete mit 10,2 Prozent den stärksten Anstieg, gefolgt von Straubing und Bamberg. Auch ländliche Kreise wie Hof, Kronach und Kulmbach legten kräftig zu.
Eine Ausnahme bildet das Alpenvorland, wo auch in bereits teuren Lagen wie Miesbach oder Garmisch-Partenkirchen die Preise weiter stiegen.
 

Cyberangriff stoppt sämtliche Immobilientransaktionen Rumäniens

Ein Hacker hat offenbar die komplette Grundbuchdatenbank Rumäniens gelöscht und zuvor versucht, die zuständige Behörde zu erpressen.
Seither können Notare landesweit keine Immobilienverkäufe mehr beglaubigen oder Hypotheken eintragen.
Nach Medienberichten verschaffte sich der Angreifer Zugang zur rumänischen Katasterbehörde ANCPI und versuchte zunächst, mit erbeuteten Daten Lösegeld zu erpressen.
Als das scheiterte, löschte er offenbar die gesamte Grundbuchdatenbank. Seit dem 14. Juli funktionieren die Online-Dienste der Behörde nicht mehr, wodurch Immobilienkäufe und Hypothekeneintragungen landesweit blockiert sind.
Besonders brisant: Ab dem 31. Juli soll in Rumänien eine Steuererhöhung bei Hauskäufen greifen, weshalb viele Käufe eigentlich vorher abgeschlossen werden sollten.
Die Behörde spricht inzwischen von einem Cybersicherheitsvorfall und arbeitet an der Wiederherstellung der Daten aus Sicherungskopien.
 

Bauzinsen steigen über vier Prozent

Immobilienkäufer sehen sich derzeit mit spürbar höheren Finanzierungskosten konfrontiert. Gleichzeitig bieten sich am Markt teils günstigere Kaufpreise als in den Vorjahren.
Wie sich beide Effekte gegenseitig beeinflussen und worauf Käufer jetzt achten sollten.
Grund für die steigende Zinslast ist die wachsende Konkurrenz am Kapitalmarkt. Der Staat tritt dort selbst als Kreditnehmer auf und treibt damit das allgemeine Zinsniveau nach oben.
Carsten Zimmermann vom Bundesverband Baufinanzierung rechnet für den weiteren Jahresverlauf mit einem Korridor zwischen 3,8 und 4,0 Prozent, mit Schwankungen von etwa 0,2 Prozentpunkten in beide Richtungen.
Er rät zu einer realistischeren Kalkulation der Gesamtkosten. Häufig würden Kaufnebenkosten sowie Ausgaben für anstehende Sanierungen unterschätzt.
Zwar seien die reinen Kaufpreise vielerorts gesunken, doch die zusätzlichen Kostenblöcke dürften nicht vernachlässigt werden. Für private Käufer und Investoren wird damit eine flexible Finanzierungsstrategie wichtiger.
 

Weniger staatliche Hilfe: Netzentgelte könnten 2027 steigen

Bislang dämpft ein staatlicher Zuschuss die Kosten für Stromnetze spürbar. Im kommenden Jahr wird dieser Zuschuss jedoch gekürzt. Für Haushalte und Betriebe könnte das spürbare Mehrkosten bedeuten.
Nach dem Entwurf der Bundesregierung soll der Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten im Jahr 2027 bei rund 5,5 Milliarden Euro liegen, nach 6,5 Milliarden Euro im laufenden Jahr.
Das entspricht einer Kürzung von knapp 15 Prozent. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox könnte ein Wegfall von einer Milliarde Euro die durchschnittlichen Netzentgelte für Haushalte um mehr als drei Prozent steigen lassen, was die gesamten Strompreise um etwa ein Prozent erhöhen würde. Ein Dreipersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden müsste demnach mit rund zwölf Euro Mehrkosten pro Jahr rechnen.
Der Branchenverband BDEW fordert als Ausgleich eine Senkung der Stromsteuer.
 

Hotelinvestoren werden bei der Standortwahl wählerischer

Der Markt für Hotelimmobilien bleibt zwar stabil, doch Banken und Investoren entscheiden zunehmend selektiv: Cashflow, Betreiberqualität und Lage geben bei Finanzierungen heute den Ausschlag.
Eine Expertenrunde aus Beratung, Research und Finanzierung sieht die operative Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 positiv, insbesondere durch Messestädte wie Düsseldorf und Köln. 
Neue Projekte entstehen vor allem durch Revitalisierung und Mixed-Use-Konzepte statt durch klassische Neubauten. 
Banken und alternative Finanzierer prüfen Vorhaben inzwischen differenzierter, während steigende Personal- und Energiekosten die Profitabilität vieler Betreiber belasten.